Heute ist das europäische Kryptogesetz MiCA offiziell vollständig in Kraft getreten. Damit dürfen Kryptobörsen ohne Lizenz keine europäischen Kunden mehr bedienen.
Das scheint sich unmittelbar im Verhalten der Anleger zu zeigen. Neue Zahlen der Kryptobörse OKX zeigen ein beeindruckendes Wachstum europäischer Nutzer von Plattformen ohne die erforderliche MiCA-Lizenz.
Einer der Gründe für das schnelle Wachstum bei OKX hängt mit der aktuellen Kampagne zusammen. Bestehende und neue Nutzer erhalten über diese Seite vorübergehend 8% „Bonus“ auf jede Einzahlung in Euro oder Krypto.
Wechsel nimmt schnell zu
Laut Zahlen von OKX sind Einzahlungen von nicht regulierten Exchanges seit Mitte April um 450% gestiegen. In der vergangenen Woche stammten sogar fast 90% aller Krypto-Einzahlungen auf der europäischen Plattform von Nutzern, die von einer Börse ohne MiCA-Lizenz wechselten. Im April lag dieser Anteil noch bei 69%.
Die Zahlen scheinen darauf hinzudeuten, dass viele Anleger nicht darauf gewartet haben, bis ihre Exchange Maßnahmen ergreift, sondern bereits selbst beschlossen haben, ihre Kryptowährungen bei einer regulierten Plattform unterzubringen.
Milliarden Dollar fließen zu regulierten Anbietern
Die Verschiebung ist auch in Marktdaten der Datenplattform DeFiLlama sichtbar, auf der Daten rund um Handelsplattformen und Projekte täglich gesammelt werden.
Laut DeFiLlama flossen zwischen dem 23. und 29. Juni etwa 1,2 Milliarden Dollar an Vermögen in Richtung OKX. Dieser Zeitraum fiel mit der letzten Woche vor der MiCA-Deadline zusammen, in der mehrere internationale Exchanges ankündigten, ihre Dienste in Europa einzuschränken oder zu beenden. Binance, die größte Börse der Welt, musste dagegen deutliche Einbußen hinnehmen, nachdem die Börse angekündigt hatte, Europa zu verlassen, weil ihr die erforderliche Lizenz fehlt.
Der europäische Kryptomarkt scheint damit innerhalb kurzer Zeit eine deutliche Verschiebung zu erleben.

Warum viele Nutzer jetzt wechseln
Mit dem Inkrafttreten der MiCA-Regulierung müssen Kryptounternehmen ab heute über die erforderliche Lizenz verfügen, um europäische Kunden weiterhin bedienen zu dürfen.
Für Nutzer von Anbietern wie Bitvavo, Kraken, Coinbase, Bybit und OKX ändert sich dadurch wenig. Sie waren bereits bei einer Plattform mit den erforderlichen Lizenzen.
Für Kunden von unter anderem MEXC, Bitget, Binance, Toobit und zahlreichen anderen internationalen Handelsplattformen ist die Situation anders. Verschiedene Anbieter haben inzwischen angekündigt, europäische Dienste einzuschränken, Kunden zu migrieren oder sich vollständig aus dem Markt zurückzuziehen.
Laut Erald Ghoos, CEO von OKX Europe, entscheiden sich viele Anleger deshalb bewusst für eine regulierte Plattform.
Europäer treffen bewusste Entscheidungen darüber, wo sie ihre Kryptowährungen aufbewahren. Wir verfügen seit Anfang 2025 über eine vollständige MiCA-Lizenz und sind auf Nutzer vorbereitet, die eine neue Plattform suchen.“
Konkurrenz um wechselnde Nutzer nimmt zu
Dass viele Anleger wechseln, bleibt auch den großen Kryptobörsen nicht verborgen.
Mehrere regulierte Plattformen versuchen derzeit aktiv, neue Nutzer mit zeitlich begrenzten Kampagnen an sich zu binden. So bietet OKX im Juli einen 8% Bonus auf neue Einzahlungen, während zur Promotion Busse durch Amsterdam, Rom, Paris und Warschau fahren. Auch andere europäische Anbieter haben spezielle Wechselaktionen angekündigt.
Für Nutzer, die noch auf einer Börse ohne MiCA-Lizenz aktiv sind, scheint der europäische Kryptomarkt damit in eine neue Phase einzutreten: Nicht länger dreht sich die Wahl nur um Handelsgebühren oder die Anzahl der verfügbaren Coins, sondern auch um die Frage, welche Plattform langfristig weiterhin in Europa aktiv bleiben darf.
Bist du dir nicht sicher, ob deine Kryptobörse die richtige Lizenz hat? Überprüfe das offizielle MiCA-Register der ESMA.






