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Aus meiner Sicht könnten die kommenden 12 bis 24 Monate die entscheidendsten für die Finanzmärkte seit 2008 werden. Der Grund: Innerhalb eines Jahres müssen rund 10 Billionen US-Dollar an Staatsschulden refinanziert werden – etwa ein Drittel der gesamten US-Verschuldung.
Eine derart hohe Summe in so kurzer Zeit ist historisch beispiellos. Die Refinanzierung erfolgt zu aktuellen Marktzinsen von über vier Prozent bei langfristigen Anleihen. Das treibt die Zinskosten weiter nach oben, die bereits jetzt zu den größten Ausgabenposten im US-Haushalt zählen.
Schon eine Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte verursacht zusätzliche Kosten in Milliardenhöhe pro Jahr. Für mich zeigt das klar: Die US-Regierung befindet sich in einer geldpolitischen Zwangslage.
Zinsen, Politik und ein neuer Fed-Chef
Die politische Dimension verschärft die Lage zusätzlich. Donald Trump fordert seit Monaten niedrigere Zinsen, um die Refinanzierungskosten zu senken und die Wirtschaft zu stützen. Gleichzeitig steht mit Kevin Warsh ein möglicher neuer Fed-Chef im Raum, der historisch eher als geldpolitischer Falke gilt.
Genau hier sehe ich das Paradox: Einerseits gibt es den politischen Druck, die Leitzinsen zu senken. Andererseits hat Warsh in der Vergangenheit eine zu expansive Geldpolitik und eine aufgeblähte Notenbankbilanz kritisiert. Doch die Realität könnte ihn zu Pragmatismus zwingen.
Denn das Kernproblem bleibt bestehen: Wenn ausländische Investoren wie China oder Japan weniger US-Staatsanleihen kaufen und die Nachfrage strukturell sinkt, steigen die Renditen. Höhere Renditen bedeuten höhere Refinanzierungskosten – ein Teufelskreis.
Drei Optionen – keine davon schmerzfrei
Aus meiner Sicht gibt es drei Szenarien, die die US-Notenbank in Betracht ziehen kann. Erstens: Die Bilanz weiter schrumpfen und höhere langfristige Zinsen akzeptieren. Das würde jedoch Immobilienmarkt, Aktienmärkte und Staatsfinanzen massiv unter Druck setzen.
Zweitens: Die Zinsen künstlich niedrig halten und als dauerhafter Käufer von Staatsanleihen auftreten. Das käme einer Fortsetzung oder Neuauflage von Quantitative Easing (QE) gleich – also einer Ausweitung der Notenbankbilanz.
Drittens: Das Problem durch Umschichtungen in kurzfristige Anleihen weiter nach hinten verschieben. Doch das wäre aus meiner Sicht lediglich ein Aufschub, kein struktureller Ausweg.
Die Mathematik ist unerbittlich: Hohe Defizite, massive Refinanzierungssummen und nachlassende externe Nachfrage sprechen langfristig für erneute großvolumige Anleihekäufe durch die Fed.
Vielleicht nicht sofort, vielleicht nicht in diesem Jahr – aber spätestens 2027 oder 2028 könnte der Druck so groß werden, dass eine Form von Yield Curve Control oder umfangreiches QE unausweichlich wird.
Warum ich Bitcoin langfristig im Vorteil sehe
Für mich schließt sich hier der Kreis zu Bitcoin (BTC). In den vergangenen Jahren hat sich Bitcoin immer wieder als Liquiditätsindikator erwiesen. Wenn die Notenbankbilanz ausgeweitet wurde, stieg Bitcoin deutlich. Wurde Liquidität entzogen, geriet der Kurs unter Druck.
Sollte es in den kommenden Jahren erneut zu massiver monetärer Expansion kommen, sehe ich darin ein strukturell bullisches Umfeld für knappe, nicht beliebig vermehrbare Assets. Zentralbanken kaufen bereits verstärkt Gold. Gleichzeitig schwindet das Vertrauen in Fiatwährungen und staatliche Haushaltsdisziplin.
Bitcoin vereint aus meiner Sicht viele Eigenschaften von Gold – ist jedoch digital, mobil und programmierbar. In einer Welt steigender Verschuldung und potenziell erneuter Geldschöpfung könnte genau das entscheidend sein.
Deshalb positioniere ich mich nicht aufgrund kurzfristiger Marktbewegungen, sondern wegen dieser makroökonomischen Dynamik. 2027 wirkt noch weit entfernt – aber in geldpolitischen Zyklen ist es näher, als viele denken.
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