Der Kryptomarkt gleicht derzeit einem Schlachtfeld. Gestern mussten die Kurse nach der gescheiterten Abstimmung über den US-amerikanischen Clarity Act kräftige Verluste hinnehmen. Es war der schlechteste Handelstag seit mehr als drei Monaten, mit deutlichen Einbußen bei Bitcoin, Ethereum und XRP. Heute beschäftigt die Finanzmärkte vor allem ein Thema: die Zinsentscheidung der US-Notenbank am heutigen Abend.
BTC fällt auf den niedrigsten Stand seit fast einem Monat
Der Gesamtwert aller Kryptowährungen ist gestern um 3,34 Prozent eingebrochen. Mehr als 88 Milliarden US-Dollar lösten sich regelrecht in Luft auf. Zwar schlossen auch die traditionellen Märkte gestern im Minus – vor allem aufgrund steigender Ölpreise und Anleiherenditen –, doch der Kryptomarkt wurde den gesamten Tag über vom Clarity Act bestimmt.

Gestern Morgen fiel Bitcoin von rund 77.500 US-Dollar auf 76.700 US-Dollar, doch der erste größere Rückschlag folgte am späten Nachmittag. Die Demokraten hatten einen Gegenvorschlag eingebracht, der von den Republikanern abgelehnt worden sein soll. Die Hoffnung auf einen erfolgreichen Ausgang der ersten Abstimmung im Senat schwand – und Bitcoin folgte diesem Trend. Der Kurs rutschte bis auf ein Tief von 75.600 US-Dollar ab.
Anschließend wurde der Rückgang zunächst wieder ausgeglichen, doch um 20:30 Uhr stürzte der Kurs erneut deutlich ab. Das Gesetz, das einen klaren bundesweiten Regulierungsrahmen für den Kryptomarkt schaffen soll, erhielt nicht genügend Stimmen, um weiter beraten zu werden. Das Gesetzgebungsverfahren liegt damit vorerst auf Eis, und die Wahrscheinlichkeit einer Verabschiedung noch in diesem Jahr ist deutlich gesunken.
In diesem Fall müssten die Verhandlungen im kommenden Jahr mit einem neu zusammengesetzten Kongress nach den anstehenden Zwischenwahlen praktisch von vorn beginnen. Für den Markt war das ein herber Rückschlag, und Bitcoin verlor innerhalb einer halben Stunde rund 2,5 Prozent. Der Kurs fiel von 77.000 US-Dollar auf knapp unter 75.000 US-Dollar und damit auf den niedrigsten Stand seit dem 21. August.
Gleichzeitig verzeichneten die US-amerikanischen Bitcoin-Fonds Kapitalabflüsse von 450,4 Millionen US-Dollar, wie Daten von Farside Investors zeigen. Damit war es für die ETFs der schlechteste Tag seit dem 25. Juni.
Der Kurs bewegt sich inzwischen seit längerer Zeit um die Marke von 76.000 US-Dollar. Laut dem Analysten Nebraskangooner besteht jedoch die Möglichkeit eines weiteren Rückgangs. Er richtet seinen Blick auf die nächste Unterstützung bei rund 74.000 US-Dollar.
#Bitcoin Range low failure. Looks like it's headed back to $74k support area.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung liegt der Bitcoin-Kurs auf der Kryptobörse OKX bei 75.862 US-Dollar. Auf der europäischen Kryptobörse Bitvavo entspricht das einem BTC-Preis von 65.666 Euro. Gegenüber dem Stand vor 24 Stunden liegt BTC damit 2,14 Prozent im Minus.
XRP fällt deutlich, während Arbitrum seinen eigenen Weg geht
Altcoins trifft es besonders hart. Ethereum liegt derzeit 3,49 Prozent niedriger als gestern, Solana verliert 3,74 Prozent und Dogecoin 3,29 Prozent. Besonders stark ist XRP eingebrochen und verzeichnet aktuell ein Minus von 7,64 Prozent. Ripple, das Unternehmen hinter der beliebten Kryptowährung, hat seinen Sitz in den Vereinigten Staaten.
Arbitrum ist mit einem Plus von 14,71 Prozent die große Überraschung des Tages. Die Kryptowährung zeigt bereits seit Längerem eine ausgesprochen starke Entwicklung, was vor allem mit dem erfolgreichen Start des Blockchain-Netzwerks von Robinhood zusammenhängt. Dieses basiert auf der Technologie von Arbitrum, und 10 Prozent der Protokolleinnahmen – die aufgrund der hohen Netzwerkauslastung beträchtlich sind – fließen zurück in das Arbitrum-Ökosystem.
Warten auf die Zinsentscheidung der Federal Reserve
Heute Abend um 20:00 Uhr deutscher Zeit gibt die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) ihre Zinsentscheidung bekannt. Der Markt rechnet mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 90 Prozent mit einer Zinserhöhung. Eine solche hat es seit Juli 2023 nicht mehr gegeben.
Als Präsident Donald Trump nach einem neuen Vorsitzenden suchte, bezeichnete er Zinssenkungen noch als Voraussetzung. Dennoch scheint Kevin Warsh nun kaum eine andere Wahl zu haben.
Durch den Krieg mit Iran ist die Inflation erneut zu einem Problem geworden. Bleibt eine Zinserhöhung aus, könnte die Glaubwürdigkeit der geldpolitischen Entscheidungsträger unter Druck geraten.
Höhere Zinsen machen sichere Staatsanleihen attraktiver. Das belastet die Bewertungen von Aktien, Edelmetallen und auch Kryptowährungen.
Eine Zinserhöhung ist allerdings bereits größtenteils eingepreist, also in den aktuellen Kursen berücksichtigt. Daher richten sich nun alle Augen auf die Pressekonferenz von Warsh.







