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Heute Abend steht die nächste Zinssitzung der US-amerikanischen Zentralbank auf der Agenda, aber wer eine große Überraschung erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht. Der Markt hat in den vergangenen Wochen bereits vorsichtig eine andere Geschichte eingepreist: Die finanziellen Bedingungen sind am Rand straffer geworden und die Erwartungen für weitere Zinssenkungen haben deutlich abgenommen.
Der Zinssenkungszyklus scheint seinem Ende entgegenzugehen, während die sogenannte Terminal Rate, das Niveau, auf dem der Leitzins letztendlich landet, Schritt für Schritt nach oben rückt.
Mit anderen Worten: Die Latte für neue Zinssenkungen liegt immer höher. Im Moment scheint es eigentlich nur noch ein Szenario zu geben, in dem die Zinsen wirklich deutlich sinken können: eine Rezession.
Eine Wirtschaft, die sich weigert abzukühlen
Der Grund dafür ist einfach. Die US-amerikanische Wirtschaft läuft noch immer überraschend stark. Der Arbeitsmarkt kühlt zwar ab, aber viel langsamer als Entscheidungsträger und Anleger zuvor erwartet hatten. Die Inflation ist im Vergleich zum Höhepunkt gesunken, bleibt aber gerade hartnäckig genug, um die Fed vorsichtig zu halten. Und vielleicht am wichtigsten: Der Konsument gibt weiterhin Geld aus.
Alles zusammen entsteht so ein wirtschaftliches Bild, das nicht zu aggressiven Zinssenkungen passt. Das Wachstum ist solide, die Arbeitslosigkeit bleibt niedrig und es gibt keine deutlichen Anzeichen von Stress, die unmittelbare monetäre Unterstützung rechtfertigen würden. Aus dieser Perspektive ist es logisch, dass der Markt immer weniger Zinssenkungen erwartet.
Ist das Ausbleiben von Zinssenkungen eine schlechte Nachricht für Bitcoin?
Auf den ersten Blick würde man das denken. Bitcoin (BTC) wird noch immer größtenteils als Risikoanlage gesehen, und Risikoanlagen haben historisch gesehen oft von sinkenden Zinsen und lockereren finanziellen Bedingungen profitiert. Niedrigere Zinsen machen Kapital günstiger, stimulieren Kreditwachstum und sorgen dafür, dass Anleger außerhalb sicherer Häfen nach Rendite suchen.
Dennoch ist das nur eine Seite der Geschichte.
Der Bitcoin-Kurs braucht auch eine starke Wirtschaft, um gut zu performen. Solange Bitcoin als Risikoanlage funktioniert, ist er abhängig von Vertrauen, Liquidität und einem Anleger, der bereit ist, Risiken einzugehen. Das sind genau die Zutaten, die in einem Umfeld mit Wirtschaftswachstum, niedriger Arbeitslosigkeit und stabilem Konsum vorhanden sind.
Was ist eine Risikoanlage?
Eine Risikoanlage ist eine Anlage, deren Wert stark schwanken kann und die empfindlich auf Wirtschaftszyklen, Zinsentwicklungen und das Sentiment unter Anlegern reagiert. Aktien und Bitcoin fallen in diese Kategorie. In guten Zeiten, wenn die Wirtschaft wächst und Anleger optimistisch sind, performen diese Art von Assets oft überdurchschnittlich. In Zeiten von Stress oder Rezession bekommen sie hingegen harte Schläge.
Bitcoin befindet sich im Moment eindeutig noch in der ersten Kategorie. Es ist kein Asset, zu dem Anleger massenhaft flüchten, wenn die Unsicherheit zunimmt, wie wir es bei Gold und Silber sehen.
Keine Zinssenkungen ist nicht per Definition bearish
Das bringt uns zu einer wichtigen Nuance. Das Ausbleiben von Zinssenkungen muss kein Problem für Bitcoin sein, solange das mit einer starken Wirtschaft zusammenfällt. Solange Unternehmen Gewinne machen, Konsumenten weiter ausgeben und finanzieller Stress ausbleibt, gibt es Raum für Risikobereitschaft. Und wo Risikobereitschaft ist, dort bleibt auch Interesse an Bitcoin.
Die echte Gefahr für Bitcoin liegt nicht so sehr darin, dass die Fed die Zinsen nicht weiter senkt, sondern in dem Szenario, in dem die Zinsen deutlich sinken müssen, weil die Wirtschaft zusammenbricht. In diesem Fall geht eine Rezession fast immer mit abnehmender Liquidität, steigender Unsicherheit und einer Flucht in Sicherheit einher. Das ist in der Regel kein fruchtbarer Boden für Risikoanlagen.
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