Die Kluft zwischen Arm und Reich in Europa ist an einigen Orten größer, als viele Menschen denken.
Viele gehen davon aus, dass die Ungleichheit in traditionell kapitalistischen Ländern wie England groß ist und in ehemaligen Ostblockstaaten oder Wohlfahrtsstaaten eher klein. Doch das stimmt so nicht. Laut einem neuen Bericht der Schweizer Bank UBS gibt es deutliche Unterschiede darin, wie Vermögen in der Bevölkerung verteilt ist.
Vermögensungleichheit in Europa laut Gini‑Index
Die Rangliste stammt aus dem jährlichen Global Wealth Report von UBS, in dem untersucht wird, wie Vermögen weltweit verteilt ist. Für Europa wird unter anderem der sogenannte Gini‑Index für Vermögen herangezogen. Dieser Index reicht von 0 bis 1: Je höher die Zahl, desto größer die Ungleichheit.
Schweden landet überraschend auf Platz eins mit einem Wert von 0,75. Damit ist die Vermögensverteilung dort ungleicher als in vielen anderen europäischen Ländern. Und obwohl das Land oft aufgrund seines starken Gesundheitssystems und seiner sozialen Gesetzgebung gelobt wird, ist gerade hier die Kluft am größten.
Zypern und Tschechien folgen mit einem Wert von 0,72, während Länder wie Lettland (0,70) und Deutschland (0,68) knapp dahinter liegen.
Frankreich liegt mit 0,59 auf Platz 10 und das Vereinigte Königreich folgt mit 0,58. Auf Rang 13 und 14 stehen Italien (0,57) und Spanien (0,56).
Ungleichheit in Deutschland
Deutschland befindet sich im oberen Mittelfeld der Liste mit einem Gini‑Koeffizienten von 0,68. Laut dem Bericht bedeutet dies, dass die Ungleichheit hier durchschnittlich bis relativ hoch ist.
In den vergangenen Jahren ist die Kluft in Deutschland zudem größer geworden. Vor allem der Immobilienmarkt spielt dabei eine große Rolle. Durch stark steigende Immobilienpreise wächst das Vermögen von Hausbesitzern schnell, während Mieter deutlich weniger Vermögen aufbauen können.
Der Bericht zeigt außerdem, dass es einen klaren Unterschied zwischen Einkommensungleichheit und Vermögensungleichheit gibt. In Deutschland liegt der Gini‑Wert für Einkommen beispielsweise bei etwa 0,30 – deutlich niedriger als beim Vermögen.
Das liegt vor allem daran, dass nahezu jeder ein Einkommen hat, aber längst nicht jeder Vermögen besitzt, etwa in Form von Immobilien, Anlagen oder Ersparnissen.






