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Die Börse in Caracas zeigte nach der Nachricht über die Gefangennahme von Präsident Nicolás Maduro einen abrupten Anstieg. Diese Bewegung sagt wahrscheinlich weniger über das Vertrauen in die Zukunft aus und mehr über die fragile Struktur des Marktes selbst.
In einem dünnen, wenig liquiden Markt führen politische Schockmeldungen nicht zu allmählichen Preissteigerungen, sondern zu plötzlichen Sprüngen. Das Interessante ist, dass wir diese Art von Bewegungen oft auch beim Bitcoin-Kurs und anderen Kryptomünzen sehen, und wir daher etwas daraus lernen können.
BREAKING: Venezuela’s Caracas Stock Exchange ends the day nearly +17% higher as markets react to the US capturing President Maduro. pic.twitter.com/e6fx7etHHA
— The Kobeissi Letter (@KobeissiLetter) January 5, 2026
Wenn Käufer gleichzeitig zuschlagen und Verkäufer sich zurückziehen, entstehen Kurslücken. Der Kurs spiegelt dann keinen breit getragenen Konsens wider, sondern vor allem Knappheit: Es gibt schlichtweg zu wenig Angebot, um die Nachfrage aufzufangen.
Von Politik zur Möglichkeit
Der Markt preist die Verhaftung von Maduro noch nicht als konkrete Politik ein, sondern als Möglichkeit. Dinge wie die Lockerung von Sanktionen, die Wiedereröffnung von Ölexporten und die Rückkehr ausländischen Kapitals sind noch nicht realisiert. Allerdings ist die Chance darauf plötzlich größer geworden.
In solchen Situationen reagieren sogenannte Distressed Assets oft schnell. Nicht weil das Ergebnis feststeht, sondern weil sich die Wahrscheinlichkeitsverteilung ändert: Was früher nahezu unmöglich schien, ist nun nicht länger ausgeschlossen.
Kapital sucht Schutz vor Unsicherheit
Lokale Dynamik spielt dabei eine wichtige Rolle. In politisch instabilen Ländern suchen Anleger und Haushalte oft keine Sicherheit in Bargeld, sondern gerade in greifbaren oder handelbaren Besitztümern. Aktien, selbst von schwachen Unternehmen, werden als Schutz gegen Währungsrisiko und politisches Chaos gesehen.
Hinzu kommen Spekulanten, Momentum-Händler und emigrierte Anleger, die einer möglichen Wiedereröffnung des Landes vorgreifen. In einem Markt mit wenig Tiefe kann diese Kombination zu schnellen, nahezu vertikalen Kursbewegungen führen.
Schneller Gewinn, aber auch großes Risiko
Dieses Muster ist nicht einzigartig für Venezuela. Vergleichbare Bewegungen waren in Russland in den neunziger Jahren und während argentinischer Schuldenkrisen zu sehen. Schwellenmärkte können bei einem Umschwung enorme Gewinne zeigen, kennen aber dieselbe Geschwindigkeit in umgekehrter Richtung.
Der erste Kurssprung ist daher nicht ausschlaggebend. Wichtiger ist, was folgt: Bleibt das Handelsvolumen hoch, halten die Kurse stand und werden Erwartungen durch Politik, Ölexporte und politische Stabilität bestätigt?
Irgendwo ist diese Situation auch ein schönes Beispiel für Bitcoin und den Kryptomarkt, in dem wir vor allem bei kleinen Altcoins auch diese Art von Bewegungen sehen können. Diese Bewegungen müssen dann nicht fundamental sein und können also auch die Folge dünner Orderbücher sein, die plötzlich von Handelsvolumen überschwemmt werden.
Oft ist es in Momenten solcher Kursbewegungen am besten, einen Schritt zurückzutreten und erst zu handeln, sobald sich der Staub gelegt hat.
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