Vor genau sieben Jahren sorgte Facebook für Aufsehen in der Finanzwelt. Das Unternehmen von Mark Zuckerberg stellte eine eigene Kryptowährung vor, die von Milliarden Menschen genutzt werden sollte – selbstverständlich als Teil des META-Ökosystems.
Die Ambitionen waren enorm. Facebook wollte das Versenden von Geld genauso einfach machen wie das Verschicken einer Nachricht über WhatsApp. Einige Analysten sahen in Libra sogar einen potenziellen Konkurrenten für Bitcoin und traditionelle Banken.
Letztlich kam alles ganz anders. Das Projekt wurde nie gestartet, wichtige Partner sprangen ab und Facebook blieb auf Kosten in Höhe von Hunderten Millionen Dollar sitzen. Doch wie anders hätte die Kryptowelt heute aussehen können, wenn Libra erfolgreich gewesen wäre?
Eine Kryptowährung für 2,4 Milliarden Nutzer
Am 18. Juni 2019 kündigte Facebook offiziell Libra an.
Die Währung sollte sich zu einem globalen Zahlungsmittel entwickeln und direkt in Facebook sowie WhatsApp integriert werden. Dadurch hätte das Projekt sofort Zugang zu mehr als zwei Milliarden Nutzern erhalten.
Im Gegensatz zu Bitcoin sollte Libra keine volatile Kryptowährung sein. Geplant war ein Stablecoin, der durch US-Dollar, Euro und Staatsanleihen gedeckt wird.
Facebook versprach, dass Menschen auf der ganzen Welt günstig Geld versenden könnten – auch ohne Bankkonto.
Große Namen schlossen sich sofort an
Der Plan erhielt unmittelbar Unterstützung von einigen der größten Unternehmen der Welt.
Visa, Mastercard, PayPal, Stripe, Uber, Lyft, Spotify und eBay traten der Libra Association bei, einem Konsortium, das das Netzwerk verwalten sollte.
Um zu verhindern, dass Facebook die vollständige Kontrolle erhält, wurde das Projekt in einer unabhängigen Organisation in der Schweiz angesiedelt.
Auf dem Papier verfügte Facebook lediglich über eine Stimme. Die Aufsichtsbehörden ließ das jedoch weitgehend unbeeindruckt.

Regierungen gerieten in Alarmbereitschaft
Fast unmittelbar nach der Ankündigung formierte sich weltweit Widerstand.
Politiker, Zentralbanken und Aufsichtsbehörden sahen das Szenario entstehen, dass ein privates Unternehmen mit Milliarden Nutzern eine eigene globale Währung schaffen könnte.
Besonders in Washington schrillten die Alarmglocken.
Das Projekt wurde als Bedrohung für das bestehende Finanzsystem und die Kontrolle der Zentralbanken über Geld und Geldpolitik angesehen.
Hinzu kam ein weiteres Problem.
Facebook befand sich damals noch mitten in den Nachwirkungen des Cambridge-Analytica-Skandals. Viele Politiker hatten Schwierigkeiten damit, zu akzeptieren, dass dasselbe Unternehmen möglicherweise auch die Zahlungsdaten von Milliarden Menschen verwalten würde.
Mark Zuckerberg wurde zu Anhörungen im US-Kongress vorgeladen und musste das Projekt ausführlich erläutern.
Der Anfang vom Ende
Unter dem zunehmenden politischen Druck und aufgrund einer enttäuschenden Resonanz auf das Whitepaper begannen wichtige Partner auszusteigen.
PayPal machte den Anfang, kurz darauf folgten Visa, Mastercard, Stripe, eBay und Vodafone.
Dadurch verlor Libra innerhalb kurzer Zeit einen großen Teil seiner Glaubwürdigkeit.
Facebook versuchte noch, das Projekt durch ein umfassendes Rebranding zu retten.
Libra wurde in Diem umbenannt. Die Wallet Calibra erhielt den neuen Namen Novi.
Auch die Pläne wurden angepasst. Anstelle einer globalen Währung sollte Diem künftig vor allem ein digitaler US-Dollar werden.
Doch selbst das reichte nicht aus.
Hunderte Millionen verpufften
Anfang 2022 wurde endgültig klar, dass das Projekt keine Zukunft mehr hatte.
Die US-Notenbank stellte sich weiterhin quer, und ohne Genehmigung konnte Diem niemals an den Start gehen.
Im Januar 2022 zog die Organisation hinter dem Projekt endgültig den Stecker.
Die entwickelte Technologie wurde schließlich für lediglich 182 Millionen US-Dollar an die Kryptobank Silvergate verkauft.
Dieser Betrag deckte nur einen Teil der Kosten, die Facebook und seine Partner in das Projekt investiert hatten. Analysten schätzen, dass Meta in den Jahren zuvor Hunderte Millionen Dollar für Entwickler, Juristen, Lobbyisten und Infrastruktur ausgegeben hatte.
Die Ironie wurde ein Jahr später vollkommen, als Silvergate selbst Insolvenz anmelden musste.
Einer der größten Krypto-Flops aller Zeiten
Rückblickend zählt Libra zu den bemerkenswertesten Fehlschlägen in der Geschichte der Kryptobranche.
Nicht, weil die Technologie nicht funktionierte oder weil es keine Nutzer gegeben hätte. Facebook verfügte über Milliarden potenzieller Kunden und hatte die Unterstützung einiger der größten Zahlungsdienstleister der Welt.
Was dem Projekt letztlich zum Verhängnis wurde, war etwas anderes: Vertrauen.
Facebook musste feststellen, dass man mit Milliardenbeträgen vieles aufbauen kann – Regierungen jedoch nicht einfach zulassen, dass ein Technologieunternehmen seine eigene globale Währung erschafft.
Sieben Jahre später existiert Libra nicht mehr. Bitcoin dagegen schon.






