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180 Mio. Euro Schaden: Prozess gegen „Milton Group“-Chef

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180 Mio. Euro Schaden: Prozess gegen „Milton Group“-Chef

Foto: Respiro/Shutterstock

Vor dem Landgericht Bamberg hat im Januar 2026 ein umfangreiches Wirtschaftsstrafverfahren begonnen, das zu den größten bekannten Cybertrading-Komplexen mit Bezug zu Deutschland zählt.

Angeklagt ist ein 50-jähriger israelisch-georgischer Staatsangehöriger. Die Zentralstelle Cybercrime Bayern wirft ihm gewerbs- und bandenmäßigen Betrug in zwei Tatkomplexen vor.

Nach Angaben der Ermittlungsbehörden soll das internationale Netzwerk, das unter der Bezeichnung „Milton Group“ bekannt wurde, Anleger weltweit um mindestens 180 Millionen Euro geschädigt haben.

Allein im deutschsprachigen Raum gehen die Strafverfolger von rund 1.000 Geschädigten aus. Der durch konkrete Strafanzeigen belegte Schaden beläuft sich hier auf etwa 52 Millionen Euro. Dem Angeklagten sollen persönlich rund 29 Millionen Euro zugeflossen sein.

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Internationale Ermittlungen und Auslieferung

Die Ermittlungen dauerten insgesamt sechs Jahre und wurden von der Zentralstelle Cybercrime Bayern gemeinsam mit der Kriminalpolizeiinspektion für Zentralaufgaben Oberfranken sowie weiteren nationalen und internationalen Behörden geführt.

Aufgrund der grenzüberschreitenden Strukturen wurde ein „Joint Investigation Team“ (JIT) eingerichtet, an dem insbesondere Strafverfolgungsbehörden aus Albanien und Georgien beteiligt waren.

Der Angeklagte wurde im August 2023 in Armenien festgenommen und im Mai 2024 nach Deutschland ausgeliefert. Seitdem befindet er sich in Untersuchungshaft in Bayern. Die Anklage wurde unverändert zur Hauptverhandlung zugelassen.

Im Zuge umfangreicher Durchsuchungsmaßnahmen, unter anderem bei einem internationalen Aktionstag im November 2022, beschlagnahmten Ermittler rund 500 Computer, zahlreiche Mobiltelefone sowie umfangreiche Geschäftsunterlagen.

Zudem wurden Konten eingefroren, Bargeld sichergestellt und Bitcoin (BTC)-Wallets gesperrt.

Struktur des mutmaßlichen Betrugssystems

Laut Anklage soll der Beschuldigte zwischen 2014 und 2022 Teil einer international agierenden Tätergruppierung gewesen sein, die Callcenter unter anderem in Albanien, Georgien, Nordmazedonien und der Ukraine betrieb.

Von dort aus wurden potenzielle Anleger telefonisch kontaktiert und dazu bewegt, über vermeintliche Online-Handelsplattformen in digitale Finanzprodukte zu investieren.

Den Geschädigten wurde vorgetäuscht, sie könnten über professionelle Trading-Plattformen mit Kryptowährungen, Devisen oder anderen Finanzinstrumenten hohe Renditen erzielen. Tatsächlich handelte es sich um manipulierte Systeme ohne reale Handelsaktivitäten.

Die investierten Gelder gingen in der Regel vollständig verloren. Teilweise wurden die Plattformen durch betrügerische Werbekampagnen unter Verwendung prominenter Namen beworben.

Ein Tatkomplex betrifft ein Callcenter in Tirana mit zeitweise bis zu 600 Mitarbeitern, das mindestens 28 betrügerische Plattformen betrieben haben soll. Allein hier sollen Schäden in Millionenhöhe entstanden sein.

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Software „PumaTS“ und hunderte Fake-Plattformen

Im zweiten Tatkomplex steht die Entwicklung und Vermarktung einer speziellen Cybertrading-Software mit dem Namen „PumaTS“ im Mittelpunkt. Diese soll ab 2017/2018 im Auftrag des Angeklagten programmiert und zunächst im eigenen Callcenter eingesetzt worden sein.

Später sei sie von Georgien aus an weitere Betreiber vertrieben worden.

Auf Basis dieser Software sollen rund 400 betrügerische Plattformen betrieben worden sein. Den Betreibern wurden darüber hinaus zusätzliche Dienstleistungen angeboten, etwa Unterstützung bei der Gründung von Scheinfirmen.

Ein besonders gravierender Einzelfall betrifft einen Anleger aus Österreich, der innerhalb von sieben Monaten mehr als elf Millionen Euro auf einer Fake-Investmentseite verlor.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der tatsächliche weltweite Schaden deutlich über den bislang belegten Summen liegt. Mehrere weitere mutmaßliche Beteiligte befinden sich in Untersuchungshaft, gegen andere wird weiterhin ermittelt.

Bereits im Dezember 2025 wurde eine Führungsperson eines nordmazedonischen Callcenters rechtskräftig zu vier Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

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Amal Bell

Amal Bell schreibt seit Februar 2024 für Crypto Insiders. Ihr Interesse an Kryptowährungen und Blockchain-Technologie wurde durch die tiefgehende Transparenz und das Potenzial für Dezentralisierung inspiriert. Sie spezialisiert sich auf das Management von Mining-Nodes, Investitionen und das Schreiben von Smart Contracts. Amal glaubt fest an eine vielversprechende Zukunft für Kryptowährungen und Blockchain, die Innovation und breitere Akzeptanz bringen werden.

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